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Die Bionen-Türme werden nach oben wachsen, spitzwinklige Formen werden sich verbinden mit den dominierenden - den abgerundeten. Die Bionen werden Hohlräume eröffnen, einander berühren oder umflechten. Es werden kompliziert zusammengesetzte Konstruktionen erscheinen, die an Felsen und leichte weiße "Papierblättchen" erinnern, welche in der Luft schweben oder, gleich Bildschirmen, an den Bionen befestigt sind.
Manchmal zeigen die Bionen ihre "Augen", die nach surrealistischer Tradition Eigelben ähneln, doch im Unterschied zu Dali's Eigelben rufen Tanguy's Augen keinen Brechreiz hervor.
Tanguy's Planet ist etwas in der Art eines universellen Systems, in dessen Rahmen unterschiedlichste Elemente existieren können. Selbstverständlich, wenn sie im Raum existieren, abgerundet und biomorph sind. Tanguy's Welt ist äußerst harmonisch. Ihr Raum ist halbleer. Die freien Kombinationen der Bionen bilden freie Harmonien. Die dramatischen Ereignisse des zweiten Viertels des 20. Jahrhunderts haben in Tanguy's Welt eine gewisse apokalyptische Spur hinterlassen, ohne deren existentielle Einheit zu verletzen.
Die hartnäckige Beharrlichkeit, mit der der Künstler seine Kompositionen kompliziert und vertieft hat, zwingen zum Nachdenken: obwohl Tanguy's Welt für Menschen (oder für sich selbst) erdacht war, z.B. als Variante posthumer Existenz für den Vogel Seele, oder es war dies ein esoterischer Auftrag, ein harmonisches Existenzmilieu zu schaffen für Wesen, die nicht unserer Natur sind, für Elfen oder für Libellen aus dem Jenseits.
Tanguy's Welt möchte man als "Garten der Erholung und des Fluges" bezeichnen. Das Geheimnis seiner Kompostionen besteht darin, daß die hochkomplizierten Kompositionen der Bionen eine hinreichende innere Vielfalt besitzen, um den kompliziert-figurierten Geist des Menschen aufzunehmen; sie sind ihm äquivalent. Dem Betrachter fällt es leicht, sich selbst zur Gänze mit allen seinen unzähligen Abteilungen und Emotionsstrukturen in die Auftürmungen der Bionen "einzubringen". Ein nebliger Raum der Seele läßt sich leicht mit dem Raum des Planeten Tanguy's in Übereinstimmung bringen.
Tanguy's Bilder sind keineswegs süß; die Bionen sind keine Zuckerbrötchen und keine Schachtelhalme, obgleich sie auch biologischer Natur sind. Tanguy's Welt ist nicht aus dem Bereich der Galanteriewaren, obwohl einige Bionen auch an bunte Plastikknöpfe erinnern. In Tanguy's Welt gibt es weder Sarkasmus noch Ironie. Weder Gut noch Böse.
Eine Flut von Licht und Ruhe. Ein Luftozean für Flüge von Schatzsuchern und Perlenfischern. Was bleibt zurück auf dem Grunde der Seele, auf ihrem wundervollen Gaumen, wenn das salzige Meer von Emotionen und Tränen plötzlich zurückströmt? Was bleibt da liegen im blauen Lichte des Sirius?
Jeder Künstler antwortet mit seinem Werk auf diese Frage. Ein Künstler hat kein Recht, Positivist zu sein; er muß glauben an die endgültige Harmonie, an die Unsterblichkeit jenes Tröpfchen der Seele jedes Menschen, das selbst Christus, Buddha oder das Dao ist. Sonst wäre die Welt langweilig, in ihr gäbe es nichts zu tun, und alle Leiden und Tragödien hätten keinerlei Sinn. Einem Künstler muß die Idee der allumfassenden Auferstehung naheliegen. Tanguy hat eine Welt geschaffen, in der er nach der Auferweckung existieren möchte.
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