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Hl. Johannes, Kreuzigungsaltar in der Jakobikirche, Chemnitz , um 1505
Im Würzburger Ratsbuch von 1492 wurde ein Peter Brewer von Zwicka ... malergesell... erwähnt. Es heißt: Peter Breuer ist etwa 1472/73 geboren. Möglicherweise in Zwickau , oder irgendwo in der Nähe. Wo er genau geboren wurde, wo er seine erste Ausbildung erhielt, wissen wir nicht.
Es heißt auch, dass der junge, ungefähr 20-jährige Peter Breuer 1492 in Würzburg ein Handwerk erlernt hat. Wo genau, in welcher von den zahlreichen Würzburger Schnitzer-Werkstätten wissen wir auch nicht, aber eine gewisse Stilähnlichkeit lässt vermuten, dass es die Werkstatt vom berühmten Tilman Riemenschneider war. Andere charakteristische Eigenschaften lassen behaupten, dass nach den Würzburger Jahren der Geselle Breuer eine Zeit lang in Ulm , im Kreis von Michel Erhart war. Dies bezeugt zum Beispiel schon der flüchtige Vergleich der berühmten Zwickauer Beweinungs-Gruppe von Peter Breuer mit dem Vesperbild von Michel Erhart in der Kapelle zu Untereschach.
Nach seinen Gesellenreisen kehrt Breuer ungefähr 1497 nach Zwickau zurück. 1497 wurde der Altar zu Steinsdorf datiert, dessen Schnitzfiguren die frühesten von Peter Breuer sind.
Die ersten sechs oder sieben Jahre selbständiger Arbeit (1497 - 1504) war die beste Periode von Peter Breuer. Ohne eigene Werkstatt, ohne eigenes Haus, ohne Frau, Kinder, Gesellen, ohne finanzielle Abhängigkeit, ohne richtige Sorgen schafft er seine besten Werke - seine Heiligen tragen Züge der mystischen Jugend, der geistigen und körperlichen Unschuld. Sie sind sichtbare Zeugen der Welt vor dem Sündenfall. Ihre besondere undefinierbare Schönheit korrespondiert mit Texten von mittelalterlichen Mystikern. Z.B. Mechthild von Magdeburg schreibt in dem Traktat: Das fließende Licht der Gottheit folgendes:
Adam und Eva waren gebildet und adelig geschaffen nach dem ewigen Sohne, der ohne Anbeginn aus seinem Vater ist geboren. Dann gab Gott Adam aus herzlicher Liebe eine wohlgezogene, edle, schmucke Jungfrau, das war Eva. Ihre Leiber sollten rein sein, denn Gott schuf ihnen niemals Glieder der Schande, und sie waren gekleidet mit Engelsgewande. Ihre Kinder sollten sie gewinnen in heiliger Minne, so wie die Sonne spielend in das Wasser scheint und doch das Wasser unzerbrochen bleibt .
Diese Beschreibung kann man wie ein Kredo vom jungen Meister betrachten. Die Spuren von der praktischen Anwendung einer solchen mystischen Konzeption merken wir auf allen frühen Breuer-Arbeiten. Um nicht weit zu fahren, können Sie z.B. die Kirche in Kleinolbersdorf (Vorort Chemnitz) besuchen und das dort aufbewahrte Breuer-Werk betrachten. Noch tiefer prägte sich diese Schönheit der Unschuld in den Figuren des Altars aus Söllmnitz (Stadtmuseum Gera) ein. Auf den männlichen Gesichtern sehen wir eine gewisse Bestürzung vor dem Sündenfall, auf weiblichen - linde Mattigkeit.
Zu den besten Arbeiten Breuers gehören: der Hochaltar der Nikolaikirche in Zwickau (auch zusammen mit Hans Hesse, um 1500, jetzt - im Grassimuseum, Leipzig ), die Beweinung Christi (Marienkirche, Zwickau , um 1502) und der Chemnitzer Kreuzigungsaltar (Jakobikirche, um 1505).
Erst 1504 wird Peter Breuer Zwickauer Bürger. Im gleichen Jahr hatte er ein Hausgrundstück vor dem Tränktor gekauft. Später wurde dieses Haus mit 60 Gulden bewertet - Peter Breuer gehörte zur Mittelklasse. Das Haus stand außerhalb der Stadtmauer. Schon dem nächsten Krieg, dem Schmalkaldischen von 1547, fiel Breuers Wohnstätte zum Opfer. Spätestens 1504 hat Meister Breuer geheiratet. Seine Frau hieß Barbara Rudel. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, zwei Söhne: Matthes und Hans und eine Tochter Walpurg.
Bürgerrecht, Heirat, eigenes Haus, eigene Werkstatt - all das war Zeugnis, dass der damals 32-jährige Peter Breuer Meisterschaft und Akzeptanz erreichte. Leider nicht in seiner Stadt, nicht in Zwickau . Seine Auftraggeber waren fast ausschließlich die wachsenden Kirchengemeinden in der Umgebung. Seine Werke befinden sich im Areal, welches sich nach Süd - bis Plauen, nach Ost - bis Freiberg, nach Nord - bis Leipzig (und weiter) und nach West - bis Gera erstreckte.
Nehmen wir nur datierte Werke, so zeigen sie, dass seine Beschäftigung immer mehr anstieg: 1504 ist der Altar von Nauhain bezeichnet, 1506 der Gersdorfer Annenaltar und der Altar von Schönau, 1508 der zu Thurm, 1509 der von Stangengrün. Von 1509 an findet sich auf den meisten Altären neben der Jahreszahl auch die Namenanschrift: 1509 und 1510 in Härtensdorf und Gersdorf, 1512 und 1513 in Callenberg und Dobia, 1513 in Ursprung, 1514 in Cranzahl und Vielau, 1515 in Neudorf, 1516 in Röthenbach, 1520 in Gulitzsch, 1521 in Kirchenberg. Daneben entstanden zahlreiche weitere Werke, die weder datiert noch signiert sind " (Hentschel) .
Man kann mit Zuversicht behaupten: 1504 - 1521 waren Jahre des finanziellen Erfolges der Breuer- Werkstatt zu Zwickau . So etwas kann man leider nicht über die künstlerische Qualität der Breuer-Plastiken sagen. Seine Altäre wurden pompöser, weltlicher, prachtvoller, als Handwerk besser, aber sie verlieren etwas, was viel wichtiger ist als die Qualität, als der finanzielle Erfolg, als die Reife. Sie verloren allmählich ihre Markenzeichen, das, was sie mit " Schönen Madonnen " verbindet - eine besondere naive Schönheit, Feinheit, Frische. Sie verloren Unschuld. Das kann man mit Stimmbruch in der Pubertät vergleichen. Der Meister wollte nicht oder konnte nicht mehr mit hoher Stimme singen und, um weiter zu wachsen, hatte er wahrscheinlich keine Kraft.
Die Gesichter von seinen Madonnen und weiblichen Heiligen wurden runder, alltäglicher, aber nicht realistischer - eher langweiliger. Die Trauer verwandelte sich in Weinerlichkeit, die Schönheit - in Süßlichkeit, die Freude - in Pflicht, froh zu sein.
Die Auftraggeber merkten es nicht - sein Unternehmen war stark und florierte.

Maria, Kreuzigungsaltar in der Jakobikirche, Chemnitz , um 1505
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